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#3 Verbrauchte Liebe – Tatjana’s Kolumne

Meine liebe Leserschaft,

Er merkt es daran, dass sie sich kaum noch berühren. Nicht bewusst und auch nicht aus Absicht, sondern eher so, wie man irgendwann aufhört, eine Gewohnheit zu pflegen, ohne genau zu wissen, wann das eigentlich passiert ist.

Früher hat er ihr im Vorbeigehen die Hand auf den Rücken gelegt. Sie hat ihm beim Reden über den Arm gestrichen oder sich neben ihn gesetzt, ohne darüber nachzudenken. Diese kleinen, beiläufigen Berührungen hatten nichts Besonderes, und gerade deshalb bedeuteten sie so viel. Heute gehen sie aneinander vorbei, ohne dass etwas davon übrig bleibt.

Sie steht am Waschbecken und trocknet ihre Hände ab, während er sich an ihr vorbeischiebt, um in den Kühlschrank zu schauen. Ihre Schultern streifen sich kurz, und für einen Moment bleibt alles wie eingefroren. Früher hätten beide gelächelt oder einen kurzen Blick gewechselt. Jetzt passiert nichts.

„Hast du noch Milch gesehen?“, fragt er.

„Im unteren Fach“, antwortet sie.

Er nickt, nimmt die Milch heraus und schließt die Tür wieder. Sie dreht sich um, geht ins Wohnzimmer, und der Moment ist vorbei, noch bevor er überhaupt richtig da war.

Am Abend sitzen sie nebeneinander auf dem Sofa. Der Fernseher läuft, aber keiner von beiden folgt wirklich der Handlung. Sie hat die Beine angezogen und hält eine Tasse in den Händen, die längst leer ist. Er sitzt etwas nach vorne gebeugt, die Hände ineinander verschränkt, als würde er über etwas nachdenken, das er selbst nicht ganz greifen kann.

Früher hätte sie ihren Kopf an seine Schulter gelegt. Heute ist zwischen ihnen ein kleines Stück Platz. Es ist nicht groß, kaum sichtbar, aber es fühlt sich an, als hätte sich dort etwas angesammelt, das nicht mehr von allein verschwindet.

„War dein Tag anstrengend?“, fragt sie schließlich.

„Geht“, sagt er.

Sie nickt. Er nickt zurück. Dann wird es wieder still.

Es ist keine unangenehme Stille, eher eine vertraute, aber genau das macht sie so schwer. Sie kennen sich, sie verstehen sich, und doch scheint etwas zu fehlen, das früher selbstverständlich war.

Sie steht irgendwann auf, nimmt die Tassen vom Tisch und bringt sie in die Küche. Das Wasser läuft ins Spülbecken, während er sitzen bleibt und auf den flackernden Bildschirm schaut. Früher wäre er aufgestanden, hätte ihr die Tasse abgenommen oder neben ihr gestanden, ohne dass einer von beiden etwas gesagt hätte. Heute bleibt er noch einen Moment sitzen, ohne genau zu wissen, warum.

Als sie zurückkommt, bleibt sie kurz stehen. Ihr Blick ruht auf ihm, und er merkt es, noch bevor er zu ihr aufschaut.

„Weißt du“, sagt sie leise, „ich glaube, wir sind irgendwie still geworden.“

Er nickt langsam. „Ja.“

Mehr sagen sie nicht. Aber beide spüren, dass es nicht nur die Stille ist. Es ist etwas, das sich langsam dazwischen geschoben hat, ohne Streit, ohne Wut, ohne ein klares Ereignis. Verbrauchte Liebe fühlt sich nicht dramatisch an. Sie fühlt sich an wie ein Raum, in dem man sich kennt und sich trotzdem nicht mehr richtig erreicht.

Sie setzt sich wieder neben ihn, ein kleines Stück näher als vorher. Er merkt es, zögert kurz und legt dann vorsichtig seine Hand neben ihre. Es ist keine große Geste, nur eine kleine Bewegung, fast unscheinbar. Aber sie bleibt.

„Ein Wir entsteht nicht von alleine.“

Und mit diesen Worten möchte ich mich für heute verabschieden.

💛 Deine Tatjana

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