Menü Schließen

#4 Ohne eigene Kinder. Weltuntergang – Tatjana’s Kolumne

Meine liebe Leserschaft,

Ohne eigene Kinder. Weltuntergang.

Der Spielplatz ist voll. Kinder rennen über den Sand, eine Schaukel quietscht im gleichmäßigen Rhythmus, irgendwo weint ein Kleinkind, während eine Mutter versucht, es zu trösten. Es ist einer dieser Nachmittage, an denen alles lebendig wirkt, laut, chaotisch und gleichzeitig vertraut.

Sie sitzen auf einer Bank am Rand. Nicht mittendrin, eher ein Stück daneben. So, als hätten sie ihren Platz bewusst dort gewählt.

Er hat zwei Kaffee in der Hand, reicht ihr einen und setzt sich neben sie. Für einen Moment schauen beide einfach nur zu. Ein Junge klettert unbeholfen die Rutsche hoch, ein Vater läuft hinterher, bereit, ihn aufzufangen, falls er abrutscht.

„Ganz schön voll heute“, sagt er.

Sie nickt. „Ja.“

Mehr sagt sie nicht. Sie beobachtet ein kleines Mädchen, das mit ernster Miene Sand in einen roten Eimer schaufelt, als hätte sie eine wichtige Aufgabe. Daneben sitzt eine Mutter im Schneidersitz und lächelt geduldig.

Sie spürt, wie sich etwas in ihr zusammenzieht. Nicht stark. Eher leise.

„Wollen wir noch eine Runde gehen?“, fragt er nach einer Weile.

Sie schüttelt den Kopf. „Ist schon okay.“

Er merkt, dass es nicht nur um den Spielplatz geht. Dass es mehr ist. Aber er weiß nicht genau, was er sagen soll. Also sitzen sie weiter da.

Zwei Kinder rennen an ihnen vorbei. Eines stolpert, fällt hin, steht sofort wieder auf. Ein kurzer Moment, der kaum auffällt. Trotzdem schauen beide hin.

„Früher dachte ich immer, ohne Kinder…“, beginnt sie, bricht dann aber ab.

Er schaut sie an. „Was?“

Sie zuckt leicht mit den Schultern. „Dass sich alles irgendwie leer anfühlt.“

Er wartet. Sie sucht nach Worten.

„So, als würde etwas fehlen. Als würde man am Leben der anderen vorbeilaufen.“

Er nickt langsam. „Und jetzt?“

Sie schaut wieder auf den Spielplatz. Das Mädchen mit dem roten Eimer lacht jetzt, weil der Sand über den Rand kippt. Die Mutter lacht mit.

„Jetzt fühlt es sich manchmal immer noch so an“, sagt sie ehrlich. „Aber nicht mehr wie ein Weltuntergang.“

Er lehnt sich zurück. „Nein.“

Sie dreht den Becher zwischen ihren Händen. „Ich glaube, ich hatte mehr Angst vor der Vorstellung als vor dem, was tatsächlich ist.“

Er sagt nichts, aber seine Schulter berührt ihre leicht. Sie bleibt.

„Es ist anders“, sagt sie.

„Ja.“

„Aber anders heißt nicht schlechter.“

Er nickt.

Ein Ball rollt in ihre Richtung. Ein kleiner Junge läuft hinterher, bleibt vor ihnen stehen und schaut sie kurz an. Sie lächelt, gibt ihm den Ball zurück. Er rennt wieder los, ohne ein Wort.

Sie schaut ihm nach.

Dann lehnt sie sich ein kleines Stück näher an ihn.

Und während der Spielplatz weiter laut und lebendig bleibt, fühlt sich der Platz auf der Bank plötzlich nicht mehr wie am Rand an.

„Ein Wir entsteht nicht von alleine.“

Und mit diesen Worten möchte ich mich für heute verabschieden.

💛 Deine Tatjana

Kostenlosen Leitfaden herunterladen & als Paar wieder näher zusammenfinden.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert