Meine liebe Leserschaft,
Ich weiß, ich liebe dich.
Der Abend ist warm, und die Luft riecht nach Meer und Sonnencreme. Die Terrasse des kleinen Restaurants ist gut gefüllt, Stimmen vermischen sich mit dem leisen Klirren von Gläsern, und irgendwo spielt jemand auf einer Gitarre. Sie sitzen mit ein paar anderen Urlaubern an einem langen Tisch, den sie vor ein paar Tagen zufällig miteinander geteilt haben. Seitdem treffen sie sich jeden Abend wieder.
Er schenkt ihr Wasser nach, ohne zu fragen, während sie noch erzählt. Sie nimmt das Glas, lächelt kurz und streicht ihm beiläufig über den Arm, als würde sie den Satz zu Ende bringen. Es sind kleine Bewegungen, fast unauffällig, aber sie gehören zu ihnen, ohne dass sie darüber nachdenken.
„Ihr zwei seid irgendwie süß miteinander“, sagt plötzlich die Frau gegenüber und lächelt.
Sie schaut überrascht auf. „Wir?“
„Ja“, sagt der Mann neben ihr. „Ihr wirkt, als wärt ihr gerade erst zusammen.“
Sie lacht leise. „Das täuscht.“
Er lehnt sich zurück und grinst. „Ein bisschen.“
„Wie lange seid ihr denn zusammen?“, fragt jemand.
Sie schaut kurz zu ihm, dann wieder in die Runde. „Über fünfzehn Jahre.“
„Echt?“ Die Frau gegenüber zieht die Augenbrauen hoch. „Das hätte ich nicht gedacht.“
Er zuckt leicht mit den Schultern. „Wir auch nicht.“
Sie stößt ihn sanft mit dem Knie an. „Du bist unmöglich.“
„Aber charmant“, sagt er ruhig.
„Selten.“
Die anderen lachen, und sie merkt, wie vertraut sich das alles anfühlt. Er nimmt ihr nebenbei die Serviette aus der Hand, weil sie ihr vom Schoß rutscht, und legt sie wieder zurecht. Eine kleine Geste, die sie kaum bemerkt, weil sie so selbstverständlich ist.
„Ich finde das schön“, sagt die Frau gegenüber. „Ihr wirkt wirklich, als wärt ihr frisch verliebt.“
Sie schaut ihn an. Er erwidert ihren Blick, ganz ruhig, ohne große Geste. Es ist dieser Blick, der nur einen Moment dauert, aber mehr sagt als Worte.
„Wir kennen uns halt gut“, sagt sie schließlich.
„Sehr gut“, ergänzt er.
„Zu gut manchmal“, sagt sie und lächelt.
„Du meinst, ich weiß, dass du gleich wieder dein Dessert mit mir teilst?“
Sie hebt eine Augenbraue. „Ich teile nicht.“
„Du hast gestern auch geteilt.“
„Nur, weil deins besser aussah.“
„Und heute?“
Sie schaut auf die Karte, dann wieder zu ihm. „Wir werden sehen.“
Er lächelt. „Das klingt nach Hoffnung.“
Die anderen lachen wieder, und jemand bestellt noch eine Runde Wein. Der Abend wird ruhiger, die Gespräche fließen, und sie lehnt sich ein kleines Stück näher an ihn, ohne es bewusst zu tun. Seine Hand liegt neben ihrer auf dem Tisch, und irgendwann berühren sich ihre Finger ganz nebenbei.
„Ich glaube wirklich, dass ihr verliebt seid“, sagt die Frau gegenüber noch einmal.
Er schaut kurz zu ihr, dann zu seiner Partnerin. „Kann sein.“
Sie lächelt. „Vielleicht sind wir einfach nie ganz damit fertig geworden.“
Er nickt leicht, und während um sie herum wieder Stimmen lauter werden, bleibt dieser kleine Moment zwischen ihnen ruhig. Fünfzehn Jahre liegen hinter ihnen, aber in diesem Augenblick fühlt es sich nicht nach Vergangenheit an. Eher nach etwas, das immer noch wächst — leise, vertraut und überraschend leicht.
„Ein Wir entsteht nicht von alleine.“
Und mit diesen Worten möchte ich mich für heute verabschieden.💛 Deine Tatjana