Meine liebe Leserschaft,
Weißt du noch damals?
Der Tisch ist voll, das Essen steht in der Mitte, und das Stimmengewirr fühlt sich warm und lebendig an. Jemand schenkt Wein nach, jemand reicht den Salat weiter, und zwischendurch wird immer wieder gelacht. Es ist einer dieser Abende, an denen man merkt, wie gut es tut, einfach zusammenzusitzen.
Sie sitzt neben ihm und versucht, den Korken wieder in die Flasche zu drücken, während er ihr dabei zusieht.
„Du weißt schon, dass das nicht funktioniert?“, sagt er.
„Doch“, sagt sie konzentriert. „Ich muss nur den richtigen Winkel finden.“
Er lehnt sich zurück. „Du suchst gerade den gleichen Winkel wie damals beim Sonnenschirm.“
Sie schaut ihn an. „Das war was völlig anderes.“
„Stimmt“, sagt er. „Der Sonnenschirm hat am Ende gewonnen.“
Ihre Freunde schauen neugierig auf. „Welcher Sonnenschirm?“
Sie stöhnt leise. „Nein, bitte nicht.“
Er lächelt schon. „Doch, unbedingt.“
„Wir waren im Urlaub“, beginnt er, während sie ihm einen warnenden Blick zuwirft, „und sie war fest davon überzeugt, dass man diesen Sonnenschirm auch ohne Anleitung aufbauen kann.“
„Man konnte!“, wirft sie ein.
„Man konnte nicht“, sagt er ruhig. „Zumindest nicht falsch herum.“
Alle lachen.
„Ich hatte ihn fast fertig“, verteidigt sie sich.
„Fast. Nur dass er in Richtung Parkplatz statt zum Meer zeigte.“
„Es war windig!“
Er nickt ernst. „Ja. Und der Sonnenschirm auch.“
Die Runde lacht, und sie muss schließlich selbst grinsen. „Du hast ihn auch nicht sofort hinbekommen.“
„Ich habe ihn analysiert.“
„Du hast fünf Minuten schweigend davor gestanden.“
„Ich habe nachgedacht.“
Sie schüttelt den Kopf und greift nach ihrem Glas. „Am Ende saßen wir ohne Sonnenschirm in der Sonne.“
Er hebt sein Glas. „Aber gemeinsam.“
Sie schaut ihn an, und für einen Moment wird es ruhig zwischen ihnen. Dann stößt sie leicht mit ihm an.
„Und am nächsten Tag hast du ihn wieder falsch aufgebaut“, sagt er leise.
„Das stimmt nicht.“
„Doch.“
„Nur ein bisschen.“
Ihre Freunde lachen wieder, und jemand sagt: „Klingt nach euch beiden.“
Sie lehnt sich zurück. „Wir sind ein gutes Team. Einer macht, der andere kommentiert.“
Er nickt. „Und am Ende klappt es irgendwie.“
Sie schaut ihn kurz an. „Meistens.“
Er lächelt. „Fast immer.“
Und während um sie herum weitergeredet wird, Wein eingeschenkt und Teller gereicht werden, merkt man ihnen an, dass sie sich kennen. Nicht perfekt, nicht immer einig, aber vertraut genug, um darüber zu lachen.
Und genau das macht den Abend so leicht.
„Ein Wir entsteht nicht von alleine.“
Und mit diesen Worten möchte ich mich für heute verabschieden.💛 Deine Tatjana