Meine liebe Leserschaft,
Schatz, wir müssen reden… Er steht vor dem offenen Kühlschrank und schaut hinein, als würde irgendwo zwischen Käse, Joghurt und der halb leeren Milch eine Lösung auf ihn warten. Das Licht fällt auf sein Gesicht, während er mit gerunzelter Stirn die Regale mustert, als hätte sich über Nacht etwas Entscheidendes verändert. Sie sitzt am Tisch, hat die Hände um ihre Kaffeetasse gelegt und beobachtet ihn schon eine ganze Weile. „Du suchst schon wieder“, sagt sie schließlich. Er beugt sich ein Stück weiter nach vorne, als würde er wirklich etwas übersehen haben. „Vielleicht hat sich über Nacht was Neues entwickelt.“ „Im Kühlschrank?“ „Man weiß nie“, antwortet er ernst und schiebt ein Glas Senf zur Seite, als könnte dahinter eine überraschende Erkenntnis liegen.Sie muss lächeln. Es ist dieser typische Moment, in dem sie genau weiß, dass er nicht wirklich etwas sucht. „Du suchst doch nur, um nicht reden zu müssen.“
Er dreht sich langsam zu ihr um, immer noch mit der Kühlschranktür in der Hand. „Das ist eine Unterstellung.“
Sie hebt eine Augenbraue und schaut ihn ruhig an. „Schatz, wir müssen reden.“
Er greift sofort nach der Gurke, als hätte sie ihm ein Argument in die Hand gelegt. „Ich kann gerade nicht. Ich bin in einer wichtigen Verhandlung.“
„Mit der Gurke?“
Er betrachtet sie ernst, dreht sie leicht in der Hand und nickt schließlich. „Sie ist noch unentschlossen.“
Jetzt muss sie lachen. Es kommt unerwartet, leise zuerst, dann etwas lauter. „Du weichst aus.“
Er zuckt mit den Schultern, hält die Gurke noch immer fest und lächelt leicht. „Ja“, sagt er ruhig. „Aber du lachst.“
Sie merkt, dass er recht hat, und schaut ihn an. Für einen Moment wird es still, aber es ist keine schwere Stille mehr. Eher eine, die Platz lässt.
Er lehnt sich gegen die Arbeitsplatte, stellt die Gurke neben sich und streicht sich kurz durchs Haar. „Wir reden gleich“, sagt er schließlich, diesmal ohne Ausweichen.
„Versprochen?“, fragt sie.
Er nickt, legt die Gurke zurück in den Kühlschrank und schließt die Tür. „Versprochen.“
Er geht langsam zum Tisch, zieht den Stuhl gegenüber von ihr zurück und setzt sich. Sie sieht ihn an, noch immer mit einem leichten Lächeln, das geblieben ist.
Und obwohl sie noch nicht angefangen haben zu reden, fühlt sich der Raum plötzlich anders an. Weniger angespannt, weniger schwer. Als hätte ein alberner Moment genau das getan, was ihnen schon lange gefehlt hat: ein kleines Stück Nähe zurückgebracht.
„Ein Wir entsteht nicht von alleine.“
Und mit diesen Worten möchte ich mich für heute verabschieden.💛 Deine Tatjana